Was ist Emotionale Intelligenz?

Eine der Schlüsselfrage für Unternehmen ist, welche Fähigkeiten, Führungskräfte oder Projektleiter besitzen müssen, um effektiv und erfolgreich zu sein.

Fangen wir doch mit einer einfachen Übung an:

  1. Beantworte dir die Frage, welche bisherige Führungskraft am besten dein Potenzial ausgeschöpft hat. Notiere dir, was diese Führungskraft auszeichnet.
  2. Denke anschließend an eine Führungskraft, bei der du dich am schlechtesten entfaltest hast. Notiere dir, was diese Führungskraft auszeichnet.

Wenn du jetzt die Eigenschaften der Führungskräfte vergleichst, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass emotionale Fähigkeiten stärker ins Gewicht fallen als die kognitiven Fähigkeiten, wie beispielsweise eine fachliche oder technische Qualifikation oder der IQ.

Kein Wunder, denn sowohl als Führungskraft als auch als Projektleiter bist du insbesondere für den Menschen verantwortlich und hier spielen Emotionen eine entscheidende Rolle.

In dem einflussreichen Artikel Emotional Intelligence definierten die führenden Forscher Peter Salovey und John D. Mayer den Begriff wie folgt:

Emotionale Intelligenz ist die Fähigkeit, die Gefühle und Emotionen von sich selbst und anderen zu überwachen, zwischen ihnen zu unterscheiden und diese Informationen zu nutzen, um das eigene Denken und Handeln zu lenken.

In diesem Beitrag möchte ich erklären, wie Emotionen unsere Handlungen bestimmen, aus was die Emotionale Intelligenz besteht und in welchen Bereichen sie Führungskräfte und Projektleiter nutzen können.

Emotionen triggern

Um Emotionale Intelligenz verstehen zu können, sollten wir die Funktionsweise von Emotionen genau unter die Lupe nehmen.

Das Wort Emotion hat seinen Ursprung im lateinischen movere – bewegen. Emotionen sorgen also dafür, dass wir schnell auf eine bestimmte Weise bewegen, handeln oder reagieren.

Alle Emotionen haben einen Zweck. Aus Evolutionssicht haben sich Emotionen durch das Zusammenwirken von Evolutionsfaktoren entwickelt und die Überlebenschancen des Menschen vergrößert.

Emotion spielen auch heute eine bedeutende Rolle.

  • Emotionen motivieren uns. Unsere Gedanken und Emotionen können die Motivation stark beeinflussen. Motivation ist ein Trieb oder ein Verlangen, das uns zwingt, etwas zu tun. Ohne Emotion lässt die Motivation als Verlangen etwas zu tun schnell nach.
  • Emotionen schützen uns vor Gefahren. Zu Zeiten des Säbelzahntigers als auch heute, schützen uns Emotionen vor Gefahren. Sobald eine wir uns in einer bedrohlichen Situation befinden, lösen Emotionen eine Handlung aus noch bevor wir diese Situation gedanklich begriffen und bewertet haben.
  • Emotionen sind maßgeblich bei unseren Entscheidungen. Unsere Emotionen haben einen großen Einfluss auf Entscheidungen, die wir treffen. Selbst in Situationen, in denen wir glauben, dass unsere Entscheidungen rein auf Logik und Rationalität basieren, spielen Emotionen eine Schlüsselrolle.
  • Emotionen erlauben es uns andere besser zu verstehen. Wenn wir mit anderen Menschen interagieren, ist es hilfreich, Signale, wie die Körpersprache zu empfangen, die uns helfen zu verstehen, wie sie sich fühlen. Oft geschieht dies unbewusst.
  • Emotionen unterstützen uns beim Lernen. Emotionen lenken unsere Aufmerksamkeit und stärken unser Erinnerungsvermögen. Beim Abspeichern von Erfahrungen erfasst unser Gehirn nicht nur Fakten, sondern auch Gefühle. So vermeiden wir Handlungen, die uns in der Vergangenheit negative Emotionen bereitet haben.

Emotionen sind ein zentraler Teil unseres Daseins und dienen uns als unverzichtbare Orientierungshilfe.

Jedoch können sie uns zu irrationalem Handeln verleiten.

Wenn Emotionen die Kontrolle übernehmen

In seinem Buch Search Inside Yourself erzählt der Autor Chade-Meng Tan eine chinesische Parabel.

Ein Mann reitet stundenlang auf seinem Pferd durch die verlassene Steppe. Plötzlich taucht am Horizont ein Mann auf. Nach einiger Zeit treffen der Reiter und der Mann aufeinander. Die beiden tauschen ein paar Höflichkeiten aus und schließlich fragt der Mann den Reiter, wo er hinreite. Dieser erwidert, das wisse er nicht, das bestimme schließlich sein Pferd.

Diese Analogie beschreibt sehr treffend, wie Emotionen unser Handeln bestimmen ohne das dies uns wirklich bewusst ist. Wir reiten auf einem Pferd, der Emotion, ohne die Zügel tatsächlich in der Hand zu halten und lassen uns zu Handlungen treiben.

Diese gefühlsmäßigen Reaktionen stellen heute oft Hindernisse im Hier und Jetzt dar.

So ertappen wir uns im Raum hin und her zu laufen, weil wir eine innere Unruhe spüren oder wir bedauern es, einen Kollegen persönlich angegriffen zu haben, weil die Wut uns in einer hektischen Situation übermannt hat.

Emotionen schwächen unser Urteilsvermögen und lösen irrationale Handlungen aus.

Menschen, denen es gelingt ihre Emotionen und Emotionen von anderen wahrzunehmen und zu kontrollieren, handeln effektiver. Aus diesem Grund benötigen wir eine Instanz, die uns dazu befähigt, Gefühle zu beherrschen: Die Emotionale Intelligenz.

Emotionale Intelligenz als wichtiger Bestandteil der Intelligenz

In dem Bestseller Emotional Intelligence – Why it can matter more then IQ von Daniel Goleman wird der Emotionalen Intelligenz (abgekürzt: EI) sogar ein höherer Stellenwert zugeschrieben als dem IQ.

In a very real sense we have two minds, one that thinks and one that feels. – Daniel Goleman

Unsere Intelligenz besteht nicht nur aus der kognitiven Intelligenz, die durch IQ gemessen wird, sondern auch aus der emotionaler Intelligenz.

Goleman beschreibt in seinem Buch die dynamische Wechselbeziehung in uns zwischen Verstand und Emotion.

Aus neurologischer Sicht sprechen wir vom Kortex und dem limbischen System. Der Kortex gilt als Sitz der Rationalität, während das limbische System der Teil des Gehirns ist, in dem unsere Emotionen verarbeitet werden.

Während die Rationalität verzögert und strategisch eingesetzt wird, funktioniert das limbische System, die Emotion unmittelbar.

Bei der Emotionale Intelligenz geht es darum, sich selbst und andere zu verstehen, und bewusst Emotionen zielorientiert und wirkungsvoll einzusetzen.

Schauen wir uns doch an, worauf die Emotionale Intelligenz genau fußt.

4 Säulen der Emotionalen Intelligenz

Wenn du daran arbeitest, deine emotionale Intelligenz zu verbessern, gibt es vier Säulen, die du angehen musst.

  1. Selbstwahrnehmung. Die Fähigkeit, dir deiner Gefühle, Gedanken, Einstellungen und Überzeugungen bewusst zu werden und sie zu verstehen.
  2. Selbstmanagement. Die Fähigkeit, eigene Ressourcen auf Basis der bewusst wahrgenommenen Emotionen bewusst einsetzen zu können, d.h. insbesondere auch nicht jeder Emotion nachzugehen.
  3. Empathie. Die Fähigkeit, Dinge aus der Perspektive einer anderen Person zu sehen und ihre individuellen Gedanken und Gefühle zu berücksichtigen.
  4. Soziale Kompetenz. Die Fähigkeit, deine eigenen Handlungen, auf die Emotionen anderer Menschen abzustimmen und Beziehungen darauf aufzubauen.

Diese Fähigkeiten sind heutzutage als Führungskraft und Projektleiter bedeutend, weil wir in einem sozialen Konstrukt arbeiten und Menschen befähigen müssen. Ohne die Fähigkeit, in dieser relationalen Umgebung gut zu funktionieren, ist es zweifelhaft, wie weit dich der IQ allein bringt.

Es interessiert niemanden, wie viel du weißt, bis sie wissen, wie sehr du dich interessierst. – Theodore Roosevelt

Emotionale Intelligenz unterstützt dich bei der physischen und psychischen Gesundheit bis hin zu deiner Fähigkeit, zu inspirieren und zu führen.

Nutzen der Emotionalen Intelligenz

Dein Berufsleben und deine Karriere können von deiner Emotionalen Intelligenz enorm beeinflusst werden. Menschen mit einer hohen EI navigieren sich effektiver, sind agiler und reaktionsfähiger und daher erfolgreicher.

Schauen wir uns all die täglichen Dinge an, mit denen unsere EI verbunden ist:

  • Kommunikation. Wie kommunizieren wir mit anderen und können wir dabei unsere Gefühle mitteilen?
  • Entscheidungsfindung. Wie und wir oft ändern wir unsere Meinungen und Entscheidungen? Wie beeinflußen uns Emotionen?
  • Vertrauen. Wie viel Selbstvertrauen haben wir und wie können wir dieses steigern? Wie und warum Vertrauen wir anderen Menschen?
  • Stresstoleranz. Warum sind wir oft ängstlich oder gestresst und denken negativ? Wie beurteilen wir uns selbst oder warum fühlen wir uns schuldig?
  • Aktives Zuhören. Wie beeinflußen unsere Emotionen und Gedanken das, was wir Hören. Wie kommt es zu Missverständnissen? Wie kannst du die unbewusst gesendete Information auf der emotionalen Ebene verwerten?
  • Menschen abholen. Wie können wir in einer Präsentation vor einer Gruppe die Menschen abholen? Wie können Emotionen eingesetzt werden, um Menschen zu begeistern, motivieren oder inspirieren?
  • Anpassungsfähigkeit. Wie gehen wir damit um, wenn sich unsere Pläne schnell ändern müssen oder wir nicht mehr an festen Prinzipien halten können?

Studien zeigen, dass Menschen mit hoher emotionaler Intelligenz, sowohl in ihrem persönlichen Leben als auch in ihrer Karriere erfolgreicher sind.

Menschen mit hoher EI können Konflikte mit Partnern und Familienmitgliedern selbstbewusst und konstruktiv bewältigt werden.

Sie sind gute Zuhörer und ausgeglichener, weil sie sich selbst gut fühlen.

In ihrem Job sind sie erfolgreicher, weil sie sehr gut mit Menschen umgehen können, gute Führungsqualitäten und deshalb Menschen ihnen folgen.


Auf den Punkt gebracht
  • Emotionen haben einen Zweck und sind unverzichtbare Orientierungshilfe. Sie können uns jedoch zu irrationalem Handeln verleiten.
  • Emotionale Intelligenz ist die Fähigkeit, die Gefühle und Emotionen von sich selbst und anderen zu überwachen, zwischen ihnen zu unterscheiden und diese Informationen zu nutzen, um das eigene Denken und Handeln zu lenken.
  • Die Emotionale Intelligenz fußt auf 4 Säulen: Selbstwahrnehmung, Selbstmanagement, Empathie und Soziale Kompetenz
  • Menschen mit hoher Emotionaler Intelligenz profitieren von ihr in ihrem persönlichen Leben als auch in ihrer beruflichen Karriere.

Weiterführende Ressourcen

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